Vita

Lebenslauf von Erwin Bowien



03. September 1899

  • Geburt in Mülheim an der Ruhr
  • Der Vater Erich Bowien, Bauingenieur und später kaufmännischer Direktor des  Rheinhafens in Weil am Rhein, war der Bruder des bekannten Pastors Otto Bowien. Er stammte wohl ursprünglich aus einer aus Frankreich eingewanderten  Hugenottenfamilie, vornämlich Kauf- und Handwerksleute aus Mohrungen in  Ostpreußen. Im ersten Weltkrieg als Major der Pioniere erhielt er höchste Auszeichnungen.
  • Die Mutter Anna-Maria, geborene Neufeldt, stammte aus einer in Ostpreußen eingewanderten holländischen Mennonitenfamilie und war die Tochter des bekannten Fabrikanten und Stadtrates Adolf Heinrich Neufeldt aus Elbing in Ostpreußen.
In Bronze gefasster Kinderschuh von Erwin Bowien
In Bronze gefasster Kinderschuh von Erwin Bowien

1900 bis 1908

  • Kindheit in Berlin-Charlottenburg, die ersten 4 Schuljahre im dortigen Schillergymnasium
Familie Bowien in Berlin-Charlottenburg, 1902
Familie Bowien in Berlin-Charlottenburg, 1902

1909 bis 1917

  • Jugendjahre in der französischen Schweiz
  • Besuch des Collège Latin in Neuchâtel, erste reguläre Kunstausbildung bei Professor William Racine an der dortigen Kunstgewerbeschule
  • erstes Portrait seines Vaters (mit Gitarre)
Erich Bowien, (Vater des Künstlers) und seine Offiziere, 1914
Erich Bowien, (Vater des Künstlers) und seine Offiziere, 1914

1917

  • erste Ausstellung in der Galerie „ A la Rose d´Or “ in Neuchâtel

1917 bis 1918

  • Teilnahme am 1. Weltkrieg, Bowien liegt im Argonner Wald den Franzosen gegenüber, aufgrund seiner Französischkenntnisse dient er als Dolmetscher und übersetzt feindliche Funksprüche
  • Zeichnungen von der Front
  • militärische Auszeichnung
Erwin Bowien mit seinem Vater Erich Bowien, 1917
Erwin Bowien mit seinem Vater Erich Bowien, 1917

1918 bis 1919

  • Entlassung in Hannover
  • Teilnahme an abendlichen Zeichenkursen der Gewerbeschule in Hannover

1919 bis 1920

  • ein halbes Jahr in Konstanz am Bodensee
  • lebenslange Freundschaft mit der Familie Enzenroß, Fürstliche Revierförster, im Forstsitz am Kilenberg/Bodensee
  • Familien- und Landschaftsbilder

1920 bis 1921

  • Studium an der Staatlichen Kunstakademie in München bei dem späteren Begründer des Münchener Neu-Impressionismus, Professor Robert Engels (Dekorative Wandmalerei)

1922

  • ein halbes Jahr Studienaufenthalt in Dresden, beraten von Professor Richard Müller, der den jungen Maler für „fertig" erklärte
  • Inflation, völlige Brotlosigkeit

 


1923

Stadtvedute von Danzig, 1923
Stadtvedute von Danzig, 1923
  • Ausbildung zum Zeichenlehrer an der Staatlichen Kunstschule Berlin-Schöneberg bei Professor Philipp Franck in Berlin, Kunstgeschichtsunterricht bei Professor Oskar Fischel
  • Examen als Werklehrer in Düsseldorf
  • Erste Begegnung mit Hans Thoma in Karlsruhe. Beginn seiner Malreisen nach Kassel, Aachen, Hamburg, Lübeck, Danzig, Karlsruhe, Freiburg, Basel, Königsberg, Hildesheim
  • Große Malreise nach Ostpreußen auf den Spuren seiner Vorfahren. Stationen sind Elbing, Mohrungen, Danzig, die Kuhrische Nehrung und Königsberg

1924

  • Probejahr als Kunsterzieher am Realgymnasium in Hechingen/Hohenzollern

1925 bis 1932

  • Solingen: Kunsterzieher am Gymnasium Schwertstraße vom 19.06.1925 bis zum 30.09.1931, über 100 Vorträge über Kunstgeschichtliche Themen an der Volkshochschule, Darstellung sämtlicher Arbeitsvorgänge im Solinger Werk Zwilling J.A. Henckels, großes Familienbildnis von Direktor Dr. Gontermann, großes Familienbild von Hanns Heinen und Söhne, Wupperlandschaften, Solinger Stadtansichten
  • Kunstreisen nach Prag und Wien (1928), Oberitalien (1929).
  • Freundschaft mit der Familie des Solinger Redakteurs und Lyrikers Hanns Heinen

1932 bis 1942

  • Bowien geht ins selbstgewählte niederländische Exil
  • Aufbau einer neuen Existenz
  • Leben als freier Künstler in Nordholland in Egmond aan den Hoef (im Hause des Philosophen René Descartes, bei den Ruinen von Schloss Egmond)
  • Reisen durch das ganze Land; Werke bedeutender holländischer Landschaften: Seestücke, Dünenbilder, vor allem in Pastell; große Serie von Graphitzeichnungen von holländischen Bauern und Handwerkern; Städteskizzen
  • Die Gemeinde Egmond bestellt anlässlich der Geburt von Prinzessin Beatrix Zeichnungen der gleichzeitig in Egmond geborenen Kinder.
  • Ankauf von Bildern durch das Museum von Hoorn. Der Direktor des Kunstkabinetts erwirbt Zeichnungen und Pastelle, die er später dem Amsterdamer Rijksmuseum vermacht.
  • nach Kriegsausbruch Leben in materieller Not
  • Novellenzyklus „Die Schule der Dilettanten" und „In Holland steht ein Haus“, Gedichte und Tagebücher, die lebenslang fortgeführt werden
  • künstlerische Ausbildung des Uhrmachers Dirk Oudes aus Ouddorp bei Alkmaar

1934

  • Bildnisse des holländischen Flottenchefs Vizeadmirals Brutel de la Rivière und der befreundeten Familien Boeke, Groot, Hemelrijk, Hünder-Decker und Swart-Boer
  • große Nordafrika Reise mit Familie Hünder-Decker nach Libyen, Tunesien, Algerien, Marokko, aus dieser Reise zahlreiche Pastelle und Graphitzeichnungen

1942

  • Um der Einberufung in die Wehrmacht zu entgehen, verlässt Bowien die Niederlande. Er schlägt sich fortan ohne gültige Militärpapiere bis 1945 durch Deutschland.

 


1942 bis 1943

  • Aufenthalt für ein halbes Jahr in Solingen bei Familie Heinen; es entstehen eine Reihe von Stadtansichten in Aquarell; die schönsten Darstellungen von Solingen vor der Zerstörung

Werkverzeichnis N° 170 - Augsburg, 1943
Werkverzeichnis N° 170 - Augsburg, 1943

1943

  • Nach einem halben Jahr in Augsburg werden seine Bilder von der Gestapo auf Anordnung der Reichskulturkammer beschlagnahmt. Diese werden später durch Kriegseinwirkung zerstört.

 


1943 bis 1945

  • Flucht ins Allgäu nach Kreuzthal-Eisenbach bei Isny; stille Landschaftsmalerei; schriftstellerische Tätigkeit „Les heures perdues du matin„ u.a.

1944

  • Bowien wagt sich nicht mehr aus dem Kreuzthal; Schutz durch den Dorfpolizisten Ottmar Meer

1945

  • nach Kriegsende Rückkehr in das Haus der Familie Heinen nach Solingen; Hungerzeit; schriftstellerisches Arbeiten: Geliehenes Leben, Getragene Kleider (unveröffentlicht); Wiederaufnahme der Vortragstätigkeit, ausgedehntes Landschaftsoeuvre: Bergisches Land, Rheinland, Portraits, Stilleben

1948

  • durch Vermittlung des Jugendfreundes Eric Thiébaud aus Neuchâtel: Reise nach Lausanne, wo erstmals seit Jahren wieder Malmaterial, Öl- und Pastellfarben gekauft werden können; seitdem periodische Aufenthalte in der Schweiz, vor allem im Berner Oberland, am Bieler und Neuenburger See, an den Rheinquellen und im Tessin
  • Tod des Vaters Erich Bowien

1950 bis 1969

  • Erwin Bowien teilt sein Leben zwischen Solingen und Weil am Rhein auf; unzählige Reisen durch Deutschland; Schaffensschwerpunkte: Darstellung des Rheinstromes von der Quelle bis zur Mündung unter besonderer Berücksichtigung der großen rheinischen Kathedralen

1951

  • Beginn der jährlichen Reisen nach Sylt in die Volkshochschule Klappholttal
  • wesentliche Phase in der Unterrichtung seiner Meisterschülerin Bettina Heinen

 


1952

  • Malreise mit seiner Schülerin ins Tessin
  • Freundschaft mit den Familien Fallet, Lehmann und Roth in Bern und Familie Eggenberger in Au/St. Gallen
Erwin Bowien beim schweizer Kunstmäzen Eduard M. Fallet – Von Castelberg
Erwin Bowien beim schweizer Kunstmäzen Eduard M. Fallet – Von Castelberg

1953

  • Malreise nach Südschweden (eingeladen von Frau Olson aus Helsingborg)  in Begleitung seiner Schülerin Bettina
Portraitskizze  der Malschülerin Bettina Heinen-Ayech während einer Malreise mit Erwin Bowien
Portraitskizze der Malschülerin Bettina Heinen-Ayech während einer Malreise mit Erwin Bowien

1954

  • erste Reise nach Norwegen, eingeladen von der in Norwegen verheirateten Schweizerin Frau Lillengen; (Nygard bei Gjövik) wichtige Stationen am Mjösa und in Sandnessjoen auf der Insel Alsten
  • Freundschaft mit den Familien Ottar Lillengen und Per und Arna Milde; forthin fast jährliche Einladung nach Norwegen, häufig zusammen mit Bettina Heinen; erwerb der Hütte „Bettina-Bo“ auf der Insel Alsten; die Norwegenreise leitet das Spätwerk ein
  • Beginn des Bilderzyklus der Schweizer Städte
  • Erwin Bowien zeichnet 1954 die Finale des WM-Endspiels in Bern

1955

  • Bowien lernte seinen weiteren Schüler Amud Uwe Millies kennen

1958

  • Beginn der jährlichen Malreisen nach Paris
Bowien mit seiner Schülerin Bettina in Paris, 1958
Bowien mit seiner Schülerin Bettina in Paris, 1958

1961

  • Tod seines brüderlichen Freundes Hanns Heinen in Solingen

1964

  • Umzug nach Weil am Rhein ins elterliche Haus zur Pflege der alten Mutter; bedeutende Anerkennung durch die Presse anlässlich der Ausstellung in Paris; es entstehen Stadtansichten von Paris
  • Fortführung des schon früher begonnenen Rheinzyklus

1966

  • Interview im Südwestfunk am 12. Dezember

1968

  • Tod der Mutter Anne-Marie Bowien am 17. Juni 1968

1969

  • Tod seiner engen Vertrauten Erna Heinen, geborene Steinhoff, in Solingen
  • Malen im Dreiländereck

1969 bis 1971

  • Malreisen nach Algerien zu Besuch bei seiner Schülerin Bettina Heinen-Ayech; es entstehen Landschaftsbilder am Mittelmeer in Skikda und aus der Region um Guelma in Ostalgerien und in der Sahara bei Biskra

1970

  • Heirat mit Inken Strohmeyer, geborene Vogt am 28. Juli
  • für den Rheinzyklus entstehen die Dombilder von Breisach, Freiburg, Worms, Speyer, im Elsaß von Thann und Straßburg; große Blumenbilder; Niederschrift von Gedichten („100 Perlen“) für seine junge Gattin Inken

1971

  • größte Darstellung des Kölner Doms; Reisen nach Finnland, Norwegen und Algerien
  • Beginn der autobiographischen Niederschrift

1972

  • Malreise nach Südfrankreich. Abbruch der Reise wegen gesundheitlicher Beschwerden; nach früheren Operationen in Solingen drei Monate lang stationäre Behandlung in der Krebsklinik des Dr. Issels in Rottach-Egern
  • fieberhaftes Schaffen an seiner Autobiographie „Das schöne Spiel zwischen Geist und Welt, Mein Malerleben“ (Veröffentlicht 1995)
  • am 03. Dezember 1972 zu Hause in Weil am Rhein verstorben; begraben in Weil

Dr. Haroun Ayech