Lehrer und Freunde

Kurzbiografien der Lehrer und Künstlerfreunde


Erwin Bowien hat Zeitlebens intensive Kontakte zu vielen Künstlern gepflegt. Er war ein sehr fleißiger Briefeschreiber. Nachfolgende Auflistung biografischer Notizen ist nur eine kleine Auswahl. Sie berücksichtigt nur bereits verstorbene Persönlichkeiten.


Hans Thoma, 1839 - 1924

Als Junger Maler lernte Erwin Bowien den Meister Hans Thoma kennen den er sehr verehrte. Er empfand das Hans Thoma der größte religiöse Maler seiner Zeit war. Zuletzt besuchte er den Maler kurz vor seinem Tode.

 

Erwin Bowien schrieb über seine letzte Begegnung mit Hans Thoma: „ ... Da saß er, wie Gott Vater auf einem alten Bilde, gelähmt und zugleich in äußerster Wachheit, betrachtete meine unreifen Zeichnungen und erkannte dennoch an; Segnete mich wie ein Vater und warnte mich, stets nur bei mir selbst zu bleiben. Die eigene schwäche nie zu verleugnen, „Ich bin durch meine Zeichenfehler berühmt geworden.“ - Er hätte auch sagen können „durch meine Ehrlichkeit berühmt geworden". Wohin will der Thoma, frug die Kritik, und er erwiderte, „bei sich selbst bleiben.“


André Bauchant, 1873 - 1958

Die Graphitzeichnung welche Erwin Bowien vom berühmten französischen Maler 1939 anfertigte dient immer noch als Signet der „Association Les Amis d‘ André Bauchant" in Frankreich. Der Weltbekannte Maler hatte Erwin Bowien Ende der 30er Jahre in seinem holländischen Exil getroffen. Daraus entstand eine Freundschaft und ein Künstlerischer Austausch.


Robert Engels, 1866 - 1926

Der wichtigste und prägendste Lehrer von Erwin Bowien war sicherlich der große Meister Robert Engels (1866-1926), dem Begründer des Münchener Neuimpressionismus, welcher Bowien an der Kunstakademie in München kennen lernen sollte. Engels war der Sohn eines Solinger Stahlwarenhändlers und studierte an der Kunstakademie in Düsseldorf (1886–1889). Dort waren Hugo Crola, Johann Janssen, Heinrich Lauenstein und Adolf Schill seine Lehrer. Außerdem bildete er sich durch Aufenthalte in Frankreich, England und Belgien fort. Anfangs in Düsseldorf tätig, nahm er 1898 nahm eine Tätigkeit in München auf, wurde 1910 Lehrer und später Professor an der Kunstgewerbeschule München. Im Jahr 1908 heiratete Engels seine Schülerin Gustava von Veith (1879–1970). Er wurde Mitarbeiter der Zeitschrift Jugend. Berühmt wurde er als Illustrator und als Begründer des Münchener Neuimpressionismus. Unter seinen Studenten waren, neben Erwin Bowien, unter anderem auch Franz Kolbrand (1892–1952), Otto Michael Schmitt (1904–1992), Carl Otto Müller (1901–1970). Nach dem Tod ihres Ehemanns übergab Gustava Engels im Jahr 1934 große Teile seines künstlerischen Nachlasses an die Stadt Solingen. Nach ihrem Tod fielen auch seine restlichen künstlerischen Arbeiten und ihr persönlicher Nachlass an die Stadt.


Oskar Fischel, 1866 - 1926

Als Erwin Bowien in Berlin studierte, lernte er den berühmten Kunstkritiker und Professor Oskar Fischel kennen und wurde nachhaltig von Ihm beeinflusst. Professor Fischel studierte Kunstgeschichte in Königsberg und Straßburg, wo er 1896 mit einer Dissertation über Raphaels Zeichnungen promovierte. 1900/01 bearbeitete er die Kupferstichsammlung des Wallraf Richartz Museums in Köln wurde 1923 zum außerordentlichen Professor für Kunstgeschichte ernannt. In dieser Zeit lernte er den Jungen Bowien kennen.

Berühmt wurde er mit seiner kunsthistorischen Forschung über den Renaissance Maler Raffael. Erwin Bowien war begeistert von der didaktische Neuerung die Professor Fischel einführte und zwar die Übungen vor Originalen. Sehr oft stand der Professor mit seinen Schülern im damaligen Kaiser Friedrich Museum, dem Ort des heutigen Bode Museums als Ergänzung zu den Vorlesungen an der Universität. Seine pädagogischen und rhetorischen Fähigkeiten kamen bei öffentlichen Vorträgen und im Rundfunk zur Geltung. Hier fand Bowien die Anregung für die Hunderte von Vorlesungen, die er später an der Solinger Volkshochschule halten sollte.

Auch mit den künstlerischen und volksbildnerischen Möglichkeiten des Films setzte sich Professor Fischel auseinander. Seine kunstwissenschaftlich gewichtigste Leistung aber sind die grundlegenden Erkenntnisse über Raffael, die er in zahlreichen Abhandlungen brillant formulierte. Erwin Bowien sollte seinen Lehrer ein letztes Mal im Exil in Holland treffen, als Oskar Fischel auf der Flucht vor dem nationalsozialistischen Regime, auf seinem Weg nach England in der Gegend von Alkmaar Halt machte. Oskar Fischel starb 1939 in London.


Richard Müller, 1874 - 1954

Als Erwin Bowien in Dresden studierte, wurde er Schüler des berühmten Malers Richard Müller. Damals unterrichtete auch Kokoschka an der Kunstakademie, Bowien ging aber nicht zu Ihm, er sich vor seiner Egozentrizität. So ging er zum strengsten Lehrer der Akademie, Professor Richard Müller. Dieser wurde 1874 in der böhmischen Stadt Tschirnitz an der Eger geboren. Nach Ausbildung in Meißen und an der Kunstakademie in Dresden, gewann er 1896 den Großen Rompreis der Preußischen Akademie der Künste. Im Jahr 1900 erhielt Müller, inzwischen in Dresden ebenso bekannt wie Klinger, eine Professur an der Akademie. 1933 wurde er zum Rektor der Dresdner Kunstakademie ernannt und 1935 vom sächsischen Kultusminister aus dem Rektorat entlassen. Nach einem halben Jahr bei Professor Müller, erklärte dieser Bowien für „fertig“. …“ Haben Sie hier“ – und er machte die Bewegung des Geldzählens – „ dann fangen Sie an“!...Die namenslos erstaunten Schüler sahen mich fortgehen. Tagelang sprach ich vor mich hin: „ Haben Sie Geld, dann fangen Sie an.“ Erwin Bowien sollte anschließenden seinem Lehrer nicht mehr begegnen. Richard Müller starb 1954 in Dresden.


Musikdirektor Hermann Assmann, 1890 - 1954

Erwin Bowien lernte im Solingen der 20er Jahre den Musikdirektor Hermann Assmann kennen und freundete sich mit Ihm an. Herr Assmann war ein sehr fleißiger Komponist und schuf zahlreiche Opern.


Frieda Enzenroß, 1888 – 1966

Die erste große Muse des Künstlers – Frieda Enzenroß, 1888- 1966
Die erste große Muse des Künstlers – Frieda Enzenroß, 1888- 1966

Frieda Enzenroß, geborene Günther, war die erste große Muse von Erwin Bowien. Sie wurde am 16. August 1888 in Eschwege in Thüringen geboren und wuchs im nahen Wanfried an der Werra auf. Ihr Jugendtraum – Schauspielerin zu werden – ließ sich nicht umsetzen. Die Neigung zur Theatralik blieb. Gerne deklamierte Sie die viele Balladen, die sie auswendig kannte. Im Jahre 1913 heiratete sie den Markgräflichen Förster Karl Enzenroß mit Sitz im herrschaftlichen Forsthaus Killenberg (an der Straße zwischen Salem und Mühlhofen gelegen). Die Familie wuchs auf drei Töchter und einen Sohn heran. Jede der Töchter spielte ein Instrument – Geige, Cello und Klavier. Das Leben am Killenberg war aber hart und entbehrungsreich. Sie war eine großartige Köchin. Selbst Prinz Max von Baden, damals schon ein alter Herrr, hat sich gelegentlich auf den Killenberg eingeladen, um „ihre Wildente“ zu essen, wie sie immer Stolz erzählte. Erwin Bowien verschlug es dann 1919 als demobilisierter Soldat nach Konstanz am Bodensee, wo er zufällig die Bekanntschaft mit Frieda Enzenroß machte, und fasziniert von Ihr, über ein Jahrzehnt sehr engen Kontakt zu Ihr und Ihrer Familie halten sollte. Er berichtete in seinen Memoiren, wie es ihn beeindruckte, wie sehr Sie ausgehungert war nach geistig – künstlerischen Anregungen. Bowien brachte unendlich viele Bücher auf den Killenberg und lass seiner Muse stundenlang daraus vor. Als Sie erkrankte, wachte er aufopfernd an Ihrem Krankenbett. Höhepunkte der Gemeinsamkeit war dann eine Reise die Bowien mit Frieda Enzenross nach Venedig unternahm. Als Bowien in Solingen Erna Heinen – Steinhoff kennenlernte, löste sich allmählich das Verhältnis mit der Familie am Killenberg, Bowien ging ins Exil nach Holland und sah Frieda erst 1945/46 wieder, anlässlich eines kurzen Besuches. Danach tauchte er erst wieder 1964 völlig überraschend bei Frieda Enzenroß auf. Sie starb tragisch im Jahr 1966 als Sie von einem Auto angefahren wurde. Mit der Zeit entstanden viele Bilder von der Familie Enzenroß und von der Gegend um den Killenberg. Bowien sollte Zeitlebens von der Familie Enzenroß, aber insbesondere von seiner Muse schwärmen. Durch Sie hatte er am Anfang seiner Künstlerischen Karriere in der unglaublich schwierigen Zeit am Beginn der zwanziger Jahre, den Mut gefunden seinen weg als Künstler zu gehen.


Professor Carl Fahinger, 1874 - 1952

Erwin Bowien lernte während seines Exils in Holland , in Hoorn, den Wiener Maler Carl Fahinger kennen. Dieser kam jährlich nach Hoorn. Er berichtet darüber in seiner Autobiografie.


Dr. Eduard M. Fallet - Von Castelberg, 1904 - 1998

Zu den wichtigsten Schweizern, die seit den 50. Jahren regelmäßig den Solinger Salon von Erna Heinen-Steinhoff aufsuchten, gehörte der Berner Mäzen, Kunstsammler und Heimatforscher Herr Eduard M. Fallet - Von Castelberg. Herr Fallet - Von Castelberg, welcher zeitweise die Schweizer Bundesbahn leitete, war der wichtigste Sammler und Förderer der Künstler Bettina, Bowien und Millies in der Schweiz. Er lernte Erwin Bowien kurz nach dem zweiten Weltkrieg anlässlich einer der ersten Schweizer Reisen des Künstlers nach dem Krieg kennen. Er stammte aus dem französischsprachigen Kanton Neuchatel am Neuenburger See, wo auch Erwin Bowien seine Jugend verbrachte hatte und half zusammen mit Erik Thiebaud, Bowiens Jugendfreund, dem Künstler in der Schweiz wieder Fuß fassen zu lassen. 1954 organisierte er in Bern die erste Ausstellung von Bowien in der Schweiz nach dem zweiten Weltkrieg die er auch persönlich eröffnete und dem Berner Publikum engagiert näherbrachte. Fortan hat er kontinuierlich und mit viel Einsatz das weitere Wirken Bowiens durch Publikationen und die Patronage zahlreicher Ausstellungen begleitet. Die Freundschaft beider Männer währte bis zum Tode des Künstlers. Er war der erste der die Entzifferung der Autobiografie von Erwin Bowien – ein kaum leserliches Manuskript welches in aller Eile im Sterbebett des Künstlers entstanden ist – in Angriff nahm. Aus seiner Feder stammt auch die erste Monographie über die Künstlerin Bettina Heinen-Ayech, welche 1967 unter dem Titel: „ Bettina Heinen“ im Berner Verlag Kleiner - in einer deutschen und in einer französischen Ausgabe - publiziert wurde.

 

Auf vielfältiger Weise trat er in der Schweiz und in Deutschland als Kunstförderer hervor. So war er Ehrenpräsident des Berner Musikkollegiums und erster Präsident des Freundeskreises Erwin Bowien e.V. den er 1976 im Solinger Klingenmuseum mitbegründete. Sein breites literarisches schaffen wandte sich, neben der Kunstgeschichte auch der regionalen Geschichte, insbesondere der historischen Ortschaft Bremgarten bei Bern zu. Das hat sich in einer ganzen Reihe von Büchern und Schriften niedergeschlagen. Neben Bowien hat er sich literarisch und Kunsthistorisch auch den Künstlern Johann August Nahl, Bildhauer des Barocks, und dem Maler Paolo (1894-1982) zugewandt.


Sigrid Genzken-Dragendorff, 1900 - 1985

International renommierte Haiku-Dichterin. Geboren als Deutschschwedin in St. Petersburg floh Sie während der Revolution nach Deutschland wo Sie zwischen Rostock, Berlin und Breslau pendelte. Nach dem Krieg lässt Sie sich erst in Regensburg dann in Fischach nieder. Mitglied in zahlreichen literarischen Verbänden und seit 1983 Ehrenmitglied des Senryu-Zentrums. Sie gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Freundeskreises Erwin Bowien e.V. Sie hatten Bowien und seine Schülerin Bettina nach dem zweiten Weltkrieg in München kennen gelernt und war in den 60er Jahren - trotz der langen Anreise - mehrfach im Solinger Salon im Schwarzen Haus zur Gast.

Zum Eintritt in den Freundeskreis Erwin Bowien e.V. dichtete Sie folgenden Vers:

 

Erwin Bowien

Deiner Seele Ruf

deiner weiten Schwingen Flug

Kraftquell deiner Kunst


Rosy Haan, 1888 - 1969

Rosy Haan war eine renommierte deutsche Sopransängerin, die unter anderem auch mit Grete Löwe Konzerte gegeben hatte. In den 30er Jahren emigrierte sie in die Niederlande. Sie ließ sich Alkmaar nieder wo sie eine kleine Wohnung mietete und gab den Damen des dortigen Schulkollegiums Unterricht. Als regelmäßiger Gast des Salons der Familie Hemelrijk in Bergen traf Sie dort jeden Freitag auch den Maler Erwin Bowien. Ein letztes Mal traf Bowien die Sängerin während des Überfalls der Wehrmacht auf die Niederlande im Mai 1940. Rosy Hahn war es jedoch möglich sich im allerletzten Moment nach England abzusetzen.


Prof. Hallgrimur Helgason, 1914 - 1994

Erwin Bowien lernte den namhaften isländischen Komponisten, Volksliedsammler und Musikwissenschaftler im Jahre 1949 in Zürich kennen. Fortan verband die beiden Männer eine Freundschaft. Erwin Bowien war fasziniert von der nordischen Sagenwelt die ihm der Isländer näherbrachte. Hallgrimur Helgason kam oft nach Solingen zu Besuch. Später vertonte er auch Gedichte von Hanns Heinen.


Familie Hemelrijk aus Bergen

Die Familie Hemelrijk aus dem niederländischen Ort Bergen - der Hausherr war Direktor des altsprachlichen Gymnasiums in Alkmaar - nahm sich völlig uneigennützig des Exilanten Erwin Bowien an. In seiner Autobiografie schrieb er: „ .... jeden Freitag aß ich bei Ihnen und konnte auch baden. ... Sie waren eine feste Stütze meines Lebens in Holland. Ihr Haus lag an „Eeuwigen Laan“, an der „Ewigen Straße“, einer Kieferallee nach Bergen aan Zee. Sie hatten drei Söhne und eine Tochter ... . Nach dem Essen zeichnete ich viel, Gruppen und Einzelfiguren, und um mich für die Gastfreundschaft zu revanchieren, klebte ich die Arbeiten auf Karton und brachte jede Woche eine mit. „Sie wollen nichts schuldig bleiben“, sagte der Direktor. Ich aber dachte: “Man bleibt immer etwas schuldig“ ... . Im Hause des Direktors verkehrten auch die Maler aus Bergen, vor allem Weyand, und von Allen hatte er stets Werke im Haus, die er auswechselte. An ihm lernte ich was ein einzelner für eine ganze Malerkolonie zu tun vermag".

Das Haus Hemelrijk war immer ein Treffpunkt deutscher Emigranten, die vor dem Regime des Dritten Reiches flohen. So lernte Erwin Bowien u.a. dort die berühmte deutsche Sopransängerin Rosy Haan (1888-1969) kennen, bevor Sie sich nach England rettete.

Während der deutschen Besatzung der Niederlande hatte die Familie viel zu leiden. Herr Hemelrijk wurde in ein deutsches Konzentrationslager deportiert, überlebte aber den Krieg und konnte zu seiner Familie heimkehren.


Professor Alfred Hesse, 1904 - 1989

Der 1904 in Dresden geborene und ebenda verstorbene Künstler war in der DDR ein hoch angesehener Maler und berühmter Wandmaler der zahlreiche Fresken schuf und als Professor der Dresdner Kunstakademie tätig war. Er wurde mit Bowien in Holland bekannt und blieb fortan mit Ihm sehr herzlich verbunden.


Charles Kainz, 1910 - 1998

Erwin Bowien hatte den Pariser Maler anlässlich einer seiner vielen Parisaufenthalten kennengelernt und war mit Ihm Kontinuierlich in Kontakt geblieben.


Werner Lehmann-Jenny, 1920 - 2007

Der Schweizer Musiker ist in Basel geboren und aufgewachsen. Seine Musikalität zeigte sich schon früh. Nach Klavier - und Violinunterricht wechselte er mit 14 Jahren zur (Quer-)Flöte, wurde an der Schweizerischen Orchesterschule und am Konservatorium in Basel zum Musiker ausgebildet und erwarb mit 22 Jahren das Orchesterdiplom für flöte, mit Klavier und Violine in den Nebenfächern. 1948 erfolgte seine Berufung ans Konservatorium Bern, wo er bis 1990 eine Flöten Klasse leitete. So hat Werner Lehmann-Jenny als Flötist Berns Musikleben mehr als 40 Jahre lang mitgeprägt. Neben seiner Tätigkeit am Konservatorium Bern unterrichtete er an verschiedenen musikalischen Einrichtungen in der Schweiz und leitete als Dirigent Orchester in Basel, Bern und Langenthal.

 

Werner Lehmann-Jennys Anspruch an ein hohes Niveau musikalischer Darbietungen, dass er auch von seinen Schülern forderte, war begleitet von einem ausgeprägtem Baseler Humor, und so konnte auch eine hart umkämpfte Unterrichtsstunde mit einem Lachen enden. Konzertauftritte als Solist führten Werner Lehmann – Jenny in alle Teile der Schweiz und ins Ausland. Seid er die Eröffnung der Erwin Bowien-Ausstellung 1954 in Bern mit seinem Flötenspiel umrahmt hatte, entwickelte sich zwischen beiden Künstlern eine tiefe und dauerhafte Freundschaft, in die später auch das Ehepaar Heinen in Solingen und Bowiens wichtigster Schülerin Bettina Heinen – Ayech einbezogen wurde. So kam es dass Herr Lehmann – Jenny mit seiner Gattin oft den Weg nach Solingen nahmen und im schwarzen Haus verkehrten und die Gesellschaft bereicherten.


Hans – Karl Pesch, 1930 - 2003

Bereits als junger Mann, war Hans Karl Pesch mit der Familie Heinen und den Künstlern des „Schwarzen Hauses“ sehr verbunden.

 

Am 10. Januar 1930 wurde er in Stuttgart geboren, Sein Vater war ebenfalls Redakteur. Nach Volontariat in verschiedenen Zeitungen kam er 1954 nach Solingen zur Redaktion der rheinischen Post dessen Leiter er von 1961 bis 1972 werden sollte. Danach übernahm er die Bezirksredaktion der bergischen Morgenpost in Remscheid – Lennep. Seine Artikel unterschrieb er mit hkp.

 

Hans Karl-Pesch war regelmäßiger Gast im „schwarzen Haus“ und verfolgte wie kein anderer Journalist das werden und das Wirken der Protagonisten der Künstlerkolonie: Erwin Bowien, Bettina Heinen-Ayech - Amud Uwe Millies hatten für ihn keine Geheimnisse. Er hatte sehr früh Die Möglichkeit die Entwicklung dieser Künstler zu verfolgen, beeindruckt vom Potenzial und vom Mut dieser eigenwilligen Künstler, insbesondere aber von Bettina Heinen- Ayech, die er im Rahmen einer Reportage in Algerien besuchen sollte und deren Kunst er auf Weltniveau verortete.

Hans Karl Pesch war aber auch selbst schaffend tätig. Er malte und schrieb skurrile und hintersinnige Bilder und Texte sowie kleine Ministuren - Die „Egos“ wie er Sie nannte - die für die Besucher des Salons von Erna Heinen – Steinhoff und später für die von Ihrer Tochter Bettina arrangierten Treffen Kunstsinniger immer einen Höhepunkt darstellten. Auch zu seinem Kollegen, Hanns Heinen, hatte er eine Respektvolle Zuneigung und half Bettina Heinen-Ayech, nach dem Tode ihres Vaters, dessen literarisches Werk zu sichten.

Pech war lange Zeit Vorsitzender des bergischen Berufsverbandes bildender Künstler (BBK). Um das Werk von Erwin Bowien der Nachwelt zu erhalten, wurde er 1976 Mitbegründer des Freundeskreises Erwin Bowien e.V. ,dessen stellvertretender Vorsitzender er bis zu seinem Tode bleiben sollte. Er hat Monografien und viele Texte über Erwin Bowien und Bettina Heinen- Ayech verfasst. Bis zu seinem, viel zu früh eingetretenen Tode, zeichnete er für die Redaktion der „Mitteilungen des Freundeskreises Erwin Bowien e.V.“ verantwortlich.


Carl Reschke, 1872 - Todesdatum unbekannt

Erwin Bowien lernte den Ostpreußischen Bildhauer Carl Reschke in den 20er Jahren in Solingen kennen. Er schreibt in seiner Autobiografie über Ihn...“ Natürlich wuchs mit der Zeit die Anzahl der Bekanntschaften. Die kostbarste war die mit dem an der Fachschule tätigen Bildhauer Carl Reschke. Er war Ostpreuße, redlich und jähzornig, und hat sich nie mit der örtlichen Kamarilla abfinden können. Er war entzückt von der Art meiner Ausstellungen und zeigte mir seine reizenden Kleinarbeiten. Er arbeitete zum Teil für die Berliner Porzellanmanufaktur, und er machte hunderte schöner Grabentwürfe. Seine Portraits erinnerten an Schadow und Hildebrand, und sein bemühen um die Bildhauerische Gestaltung ließ nie nach“.


Dr. Heinz Risse, 1898 - 1989

Der Schriftsteller hatte mit seinem Werk internationales Ansehen erlangt und galt in der Literaturwelt als einer der kritischsten und eigenwilligsten Deuter Deutscher Vergangenheit und Gegenwart in der Bonner Republik. Der Kulturpreisträger der Bürgerstiftung Solingen und des Immermannpreises war Erwin Bowien und seiner Schülerin Bettina Heinen - Ayech sehr verbunden und besuchte Regelmäßig den Salon im Schwarzen Haus.


Carl Russ-Suchard, 1838 - 1925

Inhaber des schweizerischen Schokoladenherstellers Suchard und Erfinder der Marke „Milka“ wurde zum erste Mäzen des Künstlers. Er erwarb vom jungen Erwin Bowien eine Reihe von Gemälden die später in die bekannte Sammlung seines Sohnes Ruß-Jung übergingen. In seiner Autobiografie schildert Bowien einen Besuch bei dem alten Carl Russ-Suchard der Ihn persönlich durch die Kunstsammlung der Familie Suchard führte.


Ellen Marga Schmidt , verstorben 1983

Deutsche Schriftstellerin aus Usingen, Sie lerne Erwin Bowien kurz nach dem zweiten Weltkrieg kennen und gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Freundeskreis Erwin Bowien e.V..


Mathias Ludwig Schroeder, 1904 - 1950

Der Arbeiterdichter und Schriftsteller Mathias Ludwig Schroeder - oft Mathias Schröder geschrieben - wurde 1904 in Sulzbach bei Saarbrücken geboren und starb 1950 bei einem Unfall in Hilden bei Solingen wo er zuletzt tätig war und lebte. Der Schriftsteller, der wegen seines Humors auch der „Rheinische Eulenspiegel“ genannt wurde, war ein guter Freund von Erwin Bowien, der Ihn in den Kunst- und Literatursalon der Erna Heinen-Steinhoff im „Schwarzen Haus“ in Solingen einführte. Nach 1945 unterstützte er Bowien in seiner schriftstellerischen Tätigkeit und half ihn über die schwere Zeit. Mathias Ludwig Schroeder hatte in den 30er Jahren angefangen zu schreiben. Aus seiner Feder stammen unter anderem „Dichter und Arbeiter“, „Peter der Soldatenjunge“, „Das Mädchen auf dem Rappen“, „Das Beichtrohr“, „Der lachende Hammer“, etc ... .


Sigrid Undset, 1882 - 1949

Berühmte Norwegische Schriftstellerin und Romanautorin, Sie erfand für Bowien die Bezeichnung „Bo“ und blieb ihm bis zu Ihrem Tod dem Künstler sehr verbunden.


Hugo Weischet, 1897 - 1976

Der Landschafts- und Porträtmaler Hugo Weischet hatte zur gleichen Zeit wie Erwin Bowien in München studiert. Erwin Bowien lernte Ihn aber erst in Solingen kennen und freundete sich mit Ihm an. Herr Weischet hatte einige Jahre in Ungarn gelebt und dort sein Gattin kennengelernt. Erhielt Anfang der 30er Jahre das Preußische Staatsstipendium.


Hermann Wöhler , 1897 - 1961

Erwin Bowien wurde 1919 in Hannover demobilisiert und besuchte dort den abendlichen Zeichenunterricht der dortigen Gewerbeschule. In dieser Zeit fällt seine Bekanntschaft mit dem Künstler Hermann Wöhler, mit welchem er fortan in ständigen Kontakt und Austausch bleiben sollte. Hermann Wöhler brachte Ihn auf den Gedanken während de großen Inflation der 20er Jahre die Staatliche Kunstschule in Berlin zu Besuchen und eine „solide“ Ausbildung als staatlich anerkannter Kunsterzieher durchzuführen.


Rudolf Wolff , 1867 - 1927

Erwin Bowien lernte in Solingen den Goldschmied Herrn Professor Rudolf Wolf kennen und schätzen. Herr Wolf war Professor an der Fachschule Solingen. Er schrieb über ihn in seine Autobiografie: ... “er schuf sehr kostbare Tabernakel und andere Kirchenobjekte. Er war ein Meister ersten Ranges. Wie ich nie wieder einen sah ...“.


Dagfinn Zwilgmeyer , 1900 - 1979

Norwegischer Dichter. Er erforschte Psalmen und hat eine Reihe bekanntgewordener „ Norwegischer Psalmenbücher“ herausgegeben. Er besuchte den Salon im Schwarzen Haus in Solingen und war bis zu seinem Tode sehr mit Erwin Bowien verbunden.

Dr. Haroun Ayech