Etappen

Wichtige Etappen im Leben Erwin Bowiens


Erwin Bowien war ein ewig umherziehender Künstler. Neben den fixen Wirkungsorten des Künstlers - an welchen er länger oder immer wieder regelmäßig - seinem künstlerischen Schaffen nachging, gab es auch Etappen im Leben des Künstlers, also Orte an welchen er zeitlich eher begrenzt Tätig war, an welchen er aber wichtiges Erlebte oder wichtige Werke schuf. Nachgehend finden Sie die wichtigsten Etappen im Überblick:


Deutschland

Hannover

Erwin Bowien (1899-1972): Reiterstandbild in Hannover, 1952
Erwin Bowien (1899-1972): Reiterstandbild in Hannover, 1952

Als der junge 19-jährige Erwin Bowien mit seiner Einheit von der Westfront abgezogen wurde, kam diese nach Hannover und wurde vorerst nicht aufgelöst, sodass Bowien dort kaserniert blieb. Es sollten noch einige Monate vergehen – bis weit ins Jahr 1919 - bis der junge Bowien demobilisiert wurde. In dieser Zeit besuchte er in Hannover die Abendkurse der Kunstgewerbeschule und bereite sich auf das zivile Leben vor. Wegen der Schweizer Grenzsperre war die Rückkehr in sein Zuhause ins schweizerische Neuchatel- zu Mutter und Schwestern – unmöglich geworden.
Die wirtschaftliche Lage Deutschlands war bedenklich und die politische Entwicklung chaotisch. Der Junge Mann war zutiefst verunsichert. Auch entstand in Hannover das Selbstporträt des jungen Künstlers im Regen, hinter ihm eine hastende Menge. Der Junge Mann schaut in diesem Porträt den Betrachter sehr skeptisch an. Das Bild ist in Grau gehalten. Das Gemälde zeigt sehr anschaulich die Lebensängste des gerade einmal 20-jährigen, der nach Krieg und Verlust des Zuhause ein neues Leben in der Fremde aufbauen musste. Im Laufe des Jahres 1919 verließ der junge Maler Hannover und zog nach Konstanz am Bodensee in ein Lager für entlassene Soldaten.


Freiburg im Breisgau

Villa der Familie Neufeldt in Freiburg im Breisgau,  Schwimmbadstrasstre / Konradstrasse, 1895
Villa der Familie Neufeldt in Freiburg im Breisgau, Schwimmbadstrasstre / Konradstrasse, 1895

Zeitlebens pflegte Bowien eine innige Beziehung zur Stadt Freiburg im Breisgau. Diese Bindung war ursprünglich familiär bedingt. Erwin Bowiens geliebter und verehrter Großvater – der industrielle Hans – Adolph Neufeld aus Elbing in Westpreußen – hatte 1894 beschlossen, sein dortiges Werk (Eine Blechwarenfabrik) samt Stadtpalast zu verkaufen und in die sonnigste Stadt Deutschlands – Freiburg im Breisgau – zu ziehen, wo er eine Fahrradfabrik erwarb. Er ließ für sich und seiner zahlreichen Familie in Freiburg eine Villa im Stil der Neorenaissance erbauen. Dieses Haus existiert noch immer. Im Garten des Anwesens steht ein gigantischer Mammutbaum aus den USA, welcher noch von Adolph Neufeld gepflanzt worden war. Der Globetrotter hatte den Setzling von einem seiner vielen Reisen mitgebracht. Nach Auflösung des Hauses blieben mehrere Verwandte von Bowien in Freiburg und der Künstler hatte dadurch immer einen Anschluss in der Stadt. Im Ersten Weltkrieg – im Jahr 1915 - erlitt der Vater an der Front eine Verletzung und wurde im Lazarett in Freiburg behandelt. Seine Familie kam aus der Schweiz angereist und besuchte den Rekonvaleszenten. Bowien sollten regelmäßig – in den zwanziger bis fünfziger Jahre – die Stadt besuchen und künstlerisch dort tätig werden. Ab den 60er Jahren, als er endgültig nach Weil am Rhein zog, war er dann wieder sehr oft in Freiburg zu Gast. Seine letzte große Retrospektive zu Lebzeiten wurde vom Kunstverein Freiburg im Breisgau in der Galerie am Alten Rathaus ausgerichtet und war sehr erfolgreich. Zu Bowiens wichtigen Werken, zählt ein Gemälde der Kathedrale zu Freiburg samt Vorplatz. Es gehört zum wichtigen Rheinzyklus des Künstlers.


Die Insel Sylt (Klappholttal)

Erwin Bowien (1899-1972): Der Strand von Sylt, 1952
Erwin Bowien (1899-1972): Der Strand von Sylt, 1952

Der Maler Erwin Bowien hat nach dem Krieg schon sehr früh angefangen zu reisen. Ab 1951 war er regelmäßig auf der Insel Sylt tätig. Die Landschaft erinnerte ihn an Holland und es entstanden dort sehr markante Dünen und Meerbilder. Als Bowien die Künstlerkolonie zum Schwarzen Haus in Solingen gründete, war er auch sehr oft mit seinen Schülern, den Malern Bettina Heinen-Ayech und Amud Uwe Millies in Sylt. Die Akademie am Meer – die Nachfolgeorganisation der Volkshochschule Klappholttal – besitzt immer noch ein Werk Bowiens.


Konstanz am Bodensee

Hafeneinfahrt in Konstanz am Bodensee
Hafeneinfahrt in Konstanz am Bodensee

Als der junge Rekrut Erwin Bowien im Jahre 1919 in Hannover demobilisiert wurde, wusste er nicht, wohin er sollte. Seine schweizerische Heimat war aufgrund einer Einreisesperre für ihn unerreichbar. Sein Vater befehligte ein großes Lager für entlassene Soldaten, die in Weil am Rhein auf eine Rückkehr in die Schweiz hofften. Um unabhängig zu bleiben, zog er es vor, in ein Auffanglager für entlassene Soldaten nach Konstanz am Bodensee zu ziehen, wo er fast ein Jahr bleiben sollte. Er hatte diesen Ort für seine Nähe zur geliebten Schweiz ausgesucht. Künstlerisch konnte er durch die Bekanntschaft mit einem örtlichen Lithografen profitieren, mit welchem er Schriften übte und die Kalligrafie lieben und beherrschen lernte. Diese Fähigkeit sollte ihn später – als das Geldverdienen sehr schwer werden sollte, viele Dienste leisten. In Konstanz fand die für den Künstler so wichtige Bekanntschaft mit der Familie des Bodenseeförsters Enzenroß statt. Erwin Bowien verließ 1920 Konstanz, um in München auf die Kunstakademie zu gehen. Er sollte aber ein Leben lang in regelmäßigen Abstanden die Stadt und deren Umland zu Malaufenthalten aufsuchen.

Schriftprobe von Bowiens Kalligraphie
Schriftprobe von Bowiens Kalligraphie

Köln

Erwin Bowien ( 1899-1972): Ansicht des Kölner Doms, 1970
Erwin Bowien ( 1899-1972): Ansicht des Kölner Doms, 1970

Als sich Erwin Bowien 1925 in Solingen niederließ, besuchte er sehr oft die nahe gelegene alte Stadt Köln und deren Museen. Es entstanden bereits sehr früh die ersten Zeichnungen und Pastellstudien mit Kölner Motiven. Nach dem Krieg kam er wieder häufiger in die Stadt - insbesondere da er vom „Schwarzen Haus“ in Solingen, dem Ort der von ihm gegründeten Künstlerkolonie, eine direkte Busverbindung nach Köln hatte, ein Umstand, der für Bowien doch sehr hilfreich war, da er zeitlebens keinen Führerschein besaß.
Speziell der Kölner Dom faszinierten den Künstler, der dieses Bauwerk als eines der herausragenden Denkmäler der Menschheit empfand – lange bevor der Bau in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde.
Es entstanden viele Gemälde des Gebäudes, als Ölgemälde, aber auch in Pastell oder als Skizzen. Sein letztes großformatiges Gemälde schuf er vom Kölner Dom bei Nacht. Dieses Gemälde befindet sich aktuell in der Sammlung eines großen Unternehmens. Ein weiteres Gemälde der Kathedrale befindet sich in der Sammlung des Kunstmuseums Solingen.
Erwin Bowien malte noch in Köln, als bereits sein Atelier nach Weil am Rhein verlegt hatte. Die Gemälde vom Kölner Dom sind die wichtigsten Werke seiner Spätphase.


Kleve

Erwin Bowien (1899-1972): Werkverzeichnis N° 666 – Die Rheinbrücke bei Kleve
Erwin Bowien (1899-1972): Werkverzeichnis N° 666 – Die Rheinbrücke bei Kleve

In den frühen fünfziger Jahren entstand in Kleve eine einmalige Institution: Ein Hotelier und Kunstliebhaber öffnete sein Hotel für Künstler, die dort als Gäste -bei freier Kost und Logis – die Möglichkeit erhielten, für einige Zeit wohnen zu dürfen. Der Mäzen erhielt im Gegenzug einige der während des Aufenthaltes geschaffenen Kunstwerke und so entstand mit der Zeit im legendären Hotel Braam eine eigenwillige und besondere Sammlung an zeitgenössischer Kunst. Vor allem ermöglichte es vielen Künstlern, in diesen schwierigen Zeiten, etwas Erholung zu finden und in Ruhe schaffen zu dürfen. Das Hotel Braam, so hieß auch die Familie des Besitzers, wurde so zu einem Treffpunkt für die Künstler der Künstlerkolonie zum Schwarzen Haus. Erwin Bowien, und später seine Schüler Bettina Heinen-Ayech und Amud Uwe Millies waren dort zu Gast. Sie schufen in Kleve und Umgebung zahlreiche Gemälde und Aquarelle. Der erste Aufenthalt Bowiens fand im Jahr 1951 statt. Er sollte bis zu seinem Tode regelmäßig das Hotel Braam aufsuchen und auch mehrere Male in der Stadt Kleve ausstellen. Noch immer besitzen viele Kunstliebhaber in Kleve Gemälde und Arbeiten des Künstlers.


Niederlande

Den Haag

Einladungskarte zur letzten großen Ausstellung von Erwin Bowien in den Niederlanden, im „Kunstzalen Plaats“ im Dezember 1942
Einladungskarte zur letzten großen Ausstellung von Erwin Bowien in den Niederlanden, im „Kunstzalen Plaats“ im Dezember 1942

Die alte holländische Stadt Den Haag wurde für einige Wochen – Ende des Jahres 1942 – vorübergehend zum Wohnort des Malers. Bowien hatte nach dem deutschen Einmarsch seine sich angewöhnt, seine Aufenthaltsorte so oft wie möglich zu wechseln. Aufgrund seiner Bekanntschaft mit einem niederländischen Kunsthändler kam er nach Den Haag und blieb dort einige Zeit. Bowiens Bekannter organisierte schließlich eine Ausstellung mit Gemälden Bowiens, der Künstler vermied es jedoch aus Vorsicht der Vernissage beizuwohnen – er hatte zu diesem Zeitpunkt die Stadt bereits verlassen – alle ausgestellten Bilder verschwanden später in den Wirren des Krieges.


Hoorn

Die Stadt Hoorn war der erste Ort in den Niederlanden wo Erwin Bowien länger blieb. Er erhielt dort von Anfang viele Aufträge- insbesondere Porträts- und malte die Würdenträger der Region und schließlich auch den Bürgermeister. Er fertigte auch zahlreiche Ansichten der Stadt an und lernte den Wiener Professor Fahinger kennen, der dort regelmäßig malte. Er befreundete sich dort mit den Familien Rietsma und Room an.


Alkmaar

Windmühle bei Alkmaar
Windmühle bei Alkmaar

Als sich Erwin Bowien endgültig in Egmond aan den Hoef niederließ, war die nächstgrößere Stadt – nur wenige Kilometer entfernt- die altehrwürdige Stadt Alkmaar. Da diese in Fahrrad-Reichweite seines Domizils lag, besuchter der Maler die Stadt sehr oft und es entstanden mit der Zeit viele Veduten und Portraits der Einwohner. Da die große Kirche von Alkmaar (Groote Kerk) überall um die Stadt aus der Horizontlinie ragt, ist der Turm auch auf vielen Landschaften des Künstlers verewigt. Ein Korsettenfabrikant aus Alkmaar, engagierte den Künstler alle Arbeitsgänge in seiner Fabrik zu malen. Bowien schreibt dazu in seiner Autobiografie: „… Das waren farbige Motive! Der gehäufte Stoff unter der Schneidemaschine, die Näherinnen an den vielen Maschinen.“

Erwin Bowien ( 1899-1972): Portrait des Französischen Malers André Bauchant, vermutlich 1939 in Alkmaar entstanden.
Erwin Bowien ( 1899-1972): Portrait des Französischen Malers André Bauchant, vermutlich 1939 in Alkmaar entstanden.

Mindestens an jedem Samstag war Bowien auf dem Alkmaarer Wochenmarkt zu finden, um das Treiben der Menschen zu beobachten und künstlerisch zu erfassen. Hier lernte er 1939 auch den berühmten französischen Maler André Bauchant kennen und fertigte von ihm eine Portraitzeichnung an.
In Alkmaar betätigte sich Bowien auch als Kunstkritiker. So erschien im „Alkmaarischen Courant“ auch einige Artikel von Bowien in welchem er das künstlerische Leben der Region kommentierte, insbesondere auch die erste große Rezension der Werke des später berühmt gewordenen Malers Dirk Oudes, des wichtigsten holländischen Schülers von Bowien. Zu seinen Bekanntschaften in Alkmaar gehörte die niederländische Familie Kloos, welche wichtige Werke des Meisters erwarb und die Deutsche Opernsängerin und Emigratin Rosy Hahn, die er porträtierte. Die meisten Arbeiten, die in Alkmaar entstanden, sind heute aber verschollen.

Erwin Bowien (1899-1972): Langestraat in Alkmaar, 1938
Erwin Bowien (1899-1972): Langestraat in Alkmaar, 1938

Dänemark

Kopenhagen

Erwin Bowien (1899 - 1972): Gammelstrand in Kopenhagen, 1955
Erwin Bowien (1899 - 1972): Gammelstrand in Kopenhagen, 1955

Erwin Bowien verbrachte regelmäßig – ab den frühen Fünfziger Jahren – Malaufenthalte in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. In der Regel fanden diese auf dem Hin- oder Rückweg einer seiner Norwegen Reisen statt, wo er jährlich im Sommer weilte. Es entstanden viele Stadtveduten dieser architektonisch faszinierenden Stadt. Er schrieb in seiner Autobiografie: "… aber eines hat Kopenhagen, warum es jedermann gesehen haben sollte: seine große Architektur … Er schrieb ferner „… Ich konnte mich so lange in Kopenhagen aufhalten und verkaufen, dass ich alle bedeutenden Bauten mit Leidenschaft malte.“ Bowien schuf dort auch lebendige Darstellungen aus dem täglichen Leben der Menschen.
Intensiver wurde der Kontakt mit der Stadt, als der Künstler den dänischen Journalisten Ernst Siegfried Hansen kennenlernte, der ihn förderte und in seine Kreise einführte. Die wichtigste Schülerin des Künstlers – Bettina Heinen-Ayech – sollte das Jahr 1958 in der dortigen Kunstakademie Ihre Ausbildung beenden. Durch sie lernte Bowien seinen dänischen Mäzenen kennen. War er 1958 schon länger in der dänischen Hauptstadt geblieben, so verbrachte er 1960 über ein halbes Jahr in der Stadt. Da er gut verkaufte, ist sein dänisches Werk noch größtenteils in Privatbesitz und daher nicht in seinem Werkkatalog aufgeführt.

Erwin Bowien (1899-1972): Im Bahnhof Kopenhagen, 1957
Erwin Bowien (1899-1972): Im Bahnhof Kopenhagen, 1957

Frankreich

Thann im Elsass

Erwin Bowien ( 1899-1972): St. Theobald Münster in Thann, 1970
Erwin Bowien ( 1899-1972): St. Theobald Münster in Thann, 1970

Thann liegt in den Vorbergen der Vogesen am Flüsschen Thur, etwa 15 Kilometer nordwestlich von Mülhausen. Den Adelstitel eines Grafen von Thann und Rosemont (frz. Comte de Thann et de Rosemont) trägt heute der jeweils regierende Fürst von Monaco. Die Stadt war, während Bowiens Zeit im Untergrund, die einzige französische Etappe seiner Flucht, in welcher er sich mindestens einmal zwischen 1942 /1943 aufhielt. Während diesem Aufenthalt entdeckte der Künstler das Münster St. Theobald. Ein Bau, der ihn, mit seinen prächtigen und gut erhaltenen Sandsteinfiguren (Gotischer Torbogen), Bleiglasfenstern und Heiligenfiguren, zutiefst beeindruckte und ihn später zu mehreren Malaufenthalten in der Stadt verleiten sollte. Dort entstand auch im Mai 1970 eines seiner letzten großen Hauptwerke, das Gemälde „Der Münster zu Thann bei Nacht“.


Marseille

Marseille um 1920
Marseille um 1920

Das erste Mal lernte Bowien Marseille im Jahr 1934 kennen, als er auf dem holländischen Passagierdampfer „Balindam“- aus Afrika kommend – in den Hafen von Marseille einfuhr. Dieser erste Aufenthalt währte nur kurz. Nach der Unabhängigkeit Algeriens von Frankreich, erstmalig ab 1963, sollte Bowien jedoch oft nach Marseille kommen, da er regelmäßig seine wichtigste Schülerin – Bettina Heinen-Ayech – in Algerien besuchte oder sie in Marseille am maritimen Terminal abholte. Er überquerte oft das Mittelmeer in Richtung der algerischen Hafenstädte Annaba und Skikda. Durch diese vielen Aufenthalte in Marseille, entstanden zahlreiche Gemälde und Skizzen, der Stadt und des Hafens.


Polen

Morąg (Mohrungen)

Erwin Bowien (1899-1972): Die Kirche von Mohrungen in Ostpreußen, 1923. Der Familienkirche der Bowiens
Erwin Bowien (1899-1972): Die Kirche von Mohrungen in Ostpreußen, 1923. Der Familienkirche der Bowiens

Die Alte Stadt Morąg – das ehemalige Ostpreußische Mohrungen – war nicht nur die Heimatstadt des Philosophen Herder, sondern auch das Zuhause der Familie Bowien. Die kleine Stadt war geprägt vom Deutschen Orden, welcher die Stadt als gotischen Planstadt errichtete. Erich Bowien – der Vater von Erwin Bowien – wuchs noch in der Stadt auf. Sein Sohn – Erwin Bowien – besuchte mehrere Male die Stadt und blieb dort den ganzen Sommer 1923. Es entstanden Ansichten der Stadt und des Landstriches. Von Mohrungen aus, unternahm Bowien mehrere Ausflüge – unter anderem nach Danzig und zur Marienburg, nach Allenstein und zum Gut Falkenstein, in welchem sein Onkel Max Bowien lebte. Das Haus der Bowiens in Mohrungen existiert nicht mehr.

Das gotische Rathaus von Mohrungen
Das gotische Rathaus von Mohrungen
Das Herder Museum in Mohrungen
Das Herder Museum in Mohrungen

Elbląg (Elbing)

Villa Neufeld in Elbing, Oktober 1892. In diesem Haus wuchs Erwin Bowiens Mutter – Die Fabrikantentochter Anne Marie Neufeldt auf.
Villa Neufeld in Elbing, Oktober 1892. In diesem Haus wuchs Erwin Bowiens Mutter – Die Fabrikantentochter Anne Marie Neufeldt auf.

Die Alte Hansestadt Elbląg – das ehemalige Ostpreußische Elbing– war nach Königsberg die Zweitgrößte Stadt Ostpreußens. Im 16. Jahrhundert waren die Familie Neufeldt aus Holland nach Ostpreußen ausgewandert. Mennonitischen Glaubens – gehörten Sie einer streng pazifistischen Minderheit an. Die Mutter Bowiens – Annemarie Bowien – geb. Neufeldt – entstammte dieser Familie. Ihr Vater war Stadtrat in Elbing und besaß dort ein Stadtpalais und eine große Fabrik für Blechwaren. Obwohl die Stadt im Zweiten Weltkrieg weitestgehend zerstört wurde, existiert das Stadtpalais der Neufeldts immer noch und steht unter Denkmalschutz. Die Stadt war stets Etappe auf den Ostpeußenreisen Bowiens.


Sopot (Zoppot)

Der Otto Bowien Park in Sopot
Der Otto Bowien Park in Sopot

Sopot, das alte Zoppot, war einer der Mondänsten Strandbäder an der Ostsee. Unmittelbar bei Danzig gelegen, war der Ort die Sommerfrische der Danziger Patrizierfamilien. Der Onkel von Erwin Bowien – der Pfarrer Otto Bowien (1863-1931) – polnisch Otto Bowiena – war erst Stadtpfarrer in Mohrungen – dort wurde er Vormund des berühmten Theologen Bruno Doehring (1879-1961) dem zukünftigen Hausgeistlichen des Kaiserhauses und Dekan des Berliner Doms, Theologieprofessor und Politiker. (Doehrings Schulfreund, der Schriftsteller Paul Fechter, erinnert sich in seinen Schriften auch an Pfarrer Bowien als eines energischen, tatkräftigen und fröhlichen Mannes), dann ab März 1901 Pfarrer in Sopot. Er sammelte energisch für den Bau einer neuen Kirche, zu dessen Einweihung die Kaiserin persönlich erschien. Später errichtete er in Sopot – im Südpark direkt am Strand – eine zweite Kirche. Beide Gotteshäuser stehen noch heute. Otto Bowien nahm am öffentlichen Leben der Stadt Sopot regen Anteil. Er initiierte ein Kinder- und Schutzschulzentrum sowie Wohnungen für pensionierte Geistliche, insbesondere aber blieb er im Gedächtnis für die Gründung eines großen Pflegeheimes für alleinstehende Frauen. Otto Bowien hatte ein sehr gutes Verhältnis zu seinem Neffen Erwin Bowien der ihn dort besuchte. Am 10. Juni 2001 wurde der Park vor seiner ehemaligen Kirche am Strand feierlich nach ihm benannt.


Italien

Rom

Erwin Bowien (1899-1972): Das Kolosseum in Rom, 1934 - das Bild wurde 2006 in Solingen geraubt.
Erwin Bowien (1899-1972): Das Kolosseum in Rom, 1934 - das Bild wurde 2006 in Solingen geraubt.

Die Stadt Rom war für den Künstler zeitlebens ein Sehnsuchtsort. Die Kunstschätze der römischen Museen und die unglaubliche Atmosphäre der Stadt zwischen Renaissance und Antike waren für den Künstler berauschend. Das erste Mal kam Bowien im Jahre 1934 nach Rom. Er schuf dort unter anderem sein Nachtbild vom Kolosseum. Dieses Gemälde wurde im Jahr 2006 in Solingen geraubt und ist heute verschollen. Nach dem Krieg, in den fünfziger Jahren, kehrte Bowien, unter anderem auch mit seiner Meisterschülerin, Bettina Heinen-Ayech, mehrere Male nach Rom zurück.